Geschäftsbereich
Verkehr
Seit dem Bau des ersten Automobils vor mehr als einhundert Jahren ist die Fahrzeugtechnologie stetig weiterentwickelt und perfektioniert worden. Nutzfahrzeuge sind auf ihre Wirtschaftlichkeit und geringen Kraftstoffverbrauch hin optimiert worden, während die Pkw immer komfortabler, sicherer und leistungsfähiger wurden. Bei diesen Optimierungsprozessen wurde das Kraftfahrzeug weitestgehend isoliert betrachtet. Heute muss das Automobil als Teil des Gesamtsystems Mensch, Umwelt und Verkehr verstanden werden. Strenge Grenzwerte für Lärm- und Schadstoffemissionen und des immer dichter werdende Verkehr erfordern neue Konzepte und Methoden für das Fahrzeug und den Verkehr der Zukunft. Diese Konzepte und Methoden müssen Wege aufzeigen, auf welche Weise der Konflikt zwischen steigendem Mobilitätsbedarf und der Forderung nach geringst möglichen Unfallzahlen und Umweltwirkungen aufgelöst werden kann.
Der Geschäftsbereich Verkehr nimmt sich dieser Forderungen in Forschung und Entwicklung an. In diesem Geschäftsbereich werden neue Fahrzeugtechnologien in ihrem Umfeld erforscht und entwickelt. Die wesentlichen Zielsetzungen sind die Entwicklung und Analyse neuer Systeme aus den Bereichen Fahrerassistenz sowie Kollisionswarnung und -vermeidung. Neue Technologien werden hinsichtlich ihres Potentials zur Optimierung der, Verkehrssicherheit, zur Verringerung der Schadstoffemissionen und zur Verbesserung des Verkehrsdurchsatzes bewertet.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeiten ist die Analyse und Erprobung von neuen Fahrzeugsystemen im Fahrversuch. Zu diesem Zweck setzen wir eigene Versuchsfahrzeuge ein. Im Auftrag der Automobilindustrie wurde ein Testverfahren entwickelt, mit dem unterschiedliche Sensorkonzepte zur berührungslosen Messung von Abstand und Differenzgeschwindigkeit bewertet werden können. Derartige Sensoren werden in Abstandsregeltempomaten (ACC) eingesetzt, die bereits im Serieneinsatz sind. Das Testverfahren umfasst sowohl Fahrtests im fließenden Verkehr als auch stationäre Tests auf der eigenen Teststrecke und bei reproduzierbaren Witterungsbedingungen. Hierzu wurde eine spezielle Testausrüstung entwickelt, die aus mechanischen und elektronischen Geräten sowie standardisierten Zielobjekten für die Abstandsmessung besteht.
Neben Versuchen ist die Simulation ein wichtiges Werkzeug. So wird seit 1990 die Simulation PELOPS in Zusammenarbeit mit der BMW AG entwickelt, das Fahrer und Fahrzeug detailliert in einer realistischen Verkehrsumgebung abbildet. PELOPS wurde im Rahmen des europäischen Forschungsprogramms Prometheus zur Analyse und Entwicklung von Telematiksystemen eingesetzt. In der Folge wurde PELOPS zur Entwicklung und Analyse von Fahrerassistenzsystemen, wie dem Abstandsregeltempomaten oder dem Bremsassistenten, herangezogen. Ein weiterer Schwerpunkt befasst sich
mit der Optimierung des Verkehrsablaufs sowie der Verringerung des Kraftstoffverbrauchs durch den Einsatz von Fahrerassistenzsystemen. Heute ist PELOPS ein leistungsfähiges Entwicklungswerkzeug. Über verschiedene Schnittstellen können in Quellcode vorliegende Regler-Algorithmen genauso eingebunden werden wie Steuergeräte oder sogar ganze Fahrzeuge (Software- und Hardware-in-the-Loop).
Der Geschäftsbereich Verkehr ist in der Lage, komplette Systementwicklungen von der ersten Idee bis zum Testing des fertigen Systems im Fahrzeug ebenso zu leiten, wie die gezielte Unterstützung der Systementwicklung beim Kunden. Darüber hinaus war und ist der Bereich Verkehr an zahlreichen Forschungsprojekten auf nationaler und auf EU-Ebene beteiligt: Beispiele sind hier die Forschungsprojekte „Mobilität und Transport intermodalen Verkehr“ (MoTiV), „Intelligenter Verkehr und nutzergerechte Technik“ (INVENT), KONVOI, PReVENT/INTERSAFE, CityMobil (Fahrerlose Transportsysteme im urbanen Verkehr) und Offensive (von der BMW AG finanziertes Forschungsvorhaben).